„Du armes Opfer“

„Du armes Opfer“

Das Totschlagargument.

Das bloße Benennen von Ungerechtigkeiten oder Missständen reicht oft schon aus um zum Opfer stilisiert zu werden. So kommt kein Dialog zustande. Durch alleiniges Jammern aber auch nicht.

Gerade in der Geschlechterdebatte und rund um den ersten Austausch zu unserem Blog taucht er immer wieder auf – der Begriff: Opfer. Ausgehend davon dass der Feminismus seine Hoch-Zeit hinter sich hat ist er einfach nicht mehr en vogue. Männer haben es satt ständig schuld zu sein, Frauen wollen nicht in die Jammerecke gestellt werden. Dass wir gerade deshalb weiter an gerechteren Bedingungen arbeiten müssen um aus dem Täter-Opfer-Kreislauf aussteigen zu können wird dann – ja was – vergessen?

Ausnahmslos alle Frauen (auch die Alleinerziehenden) hatten im Gespräch zu diesem Blog große Angst davor, den Männern zu sehr auf die Füße zu treten und den Opferstempel aufgedrückt zu bekommen.

Männer sind aber durchaus auch „Opfer“ dieser Rollenbilder

Dann nämlich, wenn sie als Familienväter den Druck verspüren, alleine die ganze Familie versorgen zu müssen. Wenn sie als unverheiratete Väter das gemeinsame Sorgerecht für ihr Kind einklagen müssen. Wenn sie als Trennungsväter ihre Verantwortung wahrnehmen und sich um ihre Kinder kümmern wollen, der Familienrichter ihnen aber nur ein Besuchsrecht zugesteht, da die Kinder ja „zu ihren Müttern gehören“.

Es gibt immer weniger Frauen und erst recht keine Männer, die gerne als Opfer dastehen möchten. Wenn das „Zur Diskussion-stellen“ von Ungerechtigkeiten schon direkt auf dem Kipplader landet, der zur Opfermüllhalde fährt, trägt das zu einer Zementierung der Zustände bei. Dabei brauchen wir beide (Leidens-) Sichtweisen.

Empathie und Selbstreflexion sind angezeigt – und ja: Weiterhin das Benennen von Missständen und Ungerechtigkeiten

Wir brauchen einen offenen und ehrlichen Austausch gerade für ein besseres gegenseitiges Verständnis und für das Aufweichen bestehender Konstrukte. Das beinhaltet: Reden. Einander zuhören, sich in sein Gegenüber einfühlen, reflektieren. Gegebenenfalls eigene Verhaltensweisen ändern. Und dann: Gemeinsam an einem Strang ziehen! Solange Frauen mit Männern und umgekehrt streiten freut sich nämlich oft der Dritte: Vater Fiskus. Der muss sich dann weniger um die unbequeme Steuererhöhung für Wirtschaft und Superreiche zur Entlastung der Bedürftigeren kümmern.

Wenn wir aber gemeinsam an beiderseitiger Gleichstellung und echter Familienförderung arbeiten, uns gemeinsam an den „Dritten“ wenden, können wir vielleicht etwas erreichen. Im Idealfall entlastende Bedingungen für beide Seiten.

Solange auf Männern der gesellschaftliche Druck lastet, alleine die Familie versorgen zu müssen – solange werden auch Frauen schlechter bezahlt, denn diese „müssen das ja nicht“

Es wird natürlich auch umgekehrt ein Schuh draus: Solange die Frauen schlechter verdienen, bleiben sie im Zweifelsfall auch mehr und/oder länger zu Hause bei den Kindern und der Mann muss arbeitsmäßig ran.

Ein erster Schritt wäre das Grundeinkommen für erziehende Elternteile. Ein zweiter Schritt die steuerliche Besserstellung unverheirateter Paare sowie diejenige zweier Teilzeit arbeitender Eltern. Selbstverständlich muss sich jedes Paar und jede Familie selbst für sein „Modell“ entscheiden dürfen. Entscheidend ist: Dass es die Wahlfreiheit gibt.

Anja


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