Das Schönste am Frau sein- und das Schwierigste daran

INTERVIEW

Das Schönste am Frau sein und das Schwierigste daran

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Ich finde am ‚Frau sein‘ toll, dass wir heutzutage eine unglaubliche Bandbreite zur Verfügung haben. Wir dürfen emotional sein, wir haben die Möglichkeit harte Fakten charmant zu verpacken – das haben Männer theoretisch auch, aber ich glaube, Frauen fällt es im Durchschnitt leichter.

Ich finde, wir leben in einer der besten Zeiten für Frauen, weil wir in Bezug auf klassische Rollenbilder ein immer breiteres Spektrum dazu gewinnen, im Hinblick darauf, was uns erlaubt und möglich ist.

Im Theaterstück ‚caveman‘ wurde das Publikum vor vielen Jahren gefragt, wer der Meinung ist, dass sich Frauen von  Logik nicht beirren lassen. Meine Freundin und ich haben uns als Einzige gemeldet. Ich finde wir haben die Möglichkeit logisch und intellektuell zu sein, wenn es uns passt und anders, wenn es uns gerade nicht zielführend erscheint. Und das fügt sich für alle ins Rollenbild. Diese Optionen mag ich sehr.

Blöd finde ich nach wie vor, dass wir es mit einigen Klischees zu tun haben, die wir nicht ohne weiteres los werden – und diese echter Gleichberechtigung nach wie vor im Weg stehen. Ich habe zum Beispiel kürzlich ein Coachee verloren – sie kam mit dem „Problem“, dass sie so tough in ihrem Auftreten sei. Und ich fragte: „Ja, und – wo ist das Problem?“

Es ist für Frauen immer noch schwieriger, diesen Aspekt von Persönlichkeit zu leben – das Toughe, Harte – nicht charmant sein müssen und auch nicht immer nett.

Das war es auch, was ich als junge Frau – vor allem rückblickend – sehr schwierig fand: Ich bin für meine (manchmal) dominante Art oft als „bossy“,  „Kampfhenne“ oder mit „Haare auf den Zähnen“ tituliert worden. Es war klar, dass das kein Kompliment war. Es fällt als Frau viel schwerer dazu zu stehen, stark und Ton angebend zu sein. Diese Eigenschaften als Qualität zu betrachten und in diesem Zusammenhang einen gesunden Selbstwert zu entwickeln, hat zwar geklappt, aber es war mühsam.

Ich bin total gerne Frau.

Auch wenn es noch Ungerechtigkeiten und Nachteile gibt – zum Beispiel, dass wir an manchen Stellen nicht gleich bezahlt werden für den gleichen Job, nicht die gleichen Karrierechancen haben, dass es Männer mit frauenverachtenden Äußerungen wie Donald Trump gibt, dass Frauen politisch viel weniger Einfluss haben. Wobei  sie diese Möglichkeit auch weniger ergreifen, vielleicht weil viele Frauen es nicht so gerne mögen Macht auszuüben. Alle diese Nachteile betreffen mich allerdings in meinem Alltag nicht so sehr – das sind eher politisch-soziologische Komponenten.

Wobei ein Erlebnis, bei dem ich mit solchen Aspekten konfrontiert wurde, fällt mir ein. Ich wurde für ein Projekt ‚Frauen in Führung‘ gecastet und der ‚Interviewer‘ fragte mich, ob ich Kinder habe. Ich antwortete zuerst: „Ich glaube, die Frage ist nicht zulässig.“ Aber das stimmte so nicht, weil es ja nicht um eine Festanstellung ging. Deshalb erklärte ich: „Nein, habe ich nicht.“ Daraufhin sagte er tatsächlich:

„Ich frage mich, ob Sie Frauen zum Thema ‚Frauen in Führung‘ unterrichten können, wenn Sie selber keine Kinder haben.“

Da ist mir schon durch den Kopf gegangen, dass es ganz schön krass ist, dass selbst die Tatsache, keine Kinder zu haben, zu einer Art Diskriminierung führen kann. Im Nachhinein habe ich unter der Hand erfahren, dass es im Auswahlgremium eine lange Diskussion gab, ob ich als Frau ohne Kinder weibliche Führungskräfte trainieren kann. Das wird ein Mann nicht gefragt, er muss keine Kinder haben um männliche oder weibliche Führungskräfte unterrichten zu dürfen. Da gibt es noch ‚Restdiskriminierung‘ gesellschaftlich und politisch. Auf mich als Person haben diese wenig Auswirkungen – außer finanziell immer wieder. Als Mann wäre ich reicher – Männer werden in meinem Metier grundsätzlich besser bezahlt.

An was ich mich auch noch erinnern kann: Ich habe noch zwei Schwestern und mein Vater hat früher wenn es um das Ausgehen Abends und am Wochenende ging immer gesagt: „Wenn du ein Bub wärst, würde ich das erlauben.“ Das fand ich ätzend. Aber er hatte natürlich recht. Es ist als Frau gefährlicher. Es werden immer noch mehr Frauen vergewaltigt als Männer. Das ist eine Realität und hier auf sich aufzupassen ist Selbstschutz.

Und ich glaube, dass Frauen einen größeren Druck haben, schön zu sein. Man verzeiht es Männern nach wie vor mehr, hässlich zu sein. Eine Frau die hässlich ist, hat es extrem schwer gesellschaftlich und politisch Relevanz zu erzielen.

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