Wilkommen im Club

 

 

Willkommen im Club

WillkommenimClub1

Ort

Ein ungenannter Kulturort der Stadt – Museum mit grandioser Architektur – dem Fortschritt, der Geschichte und der Zukunft der Fortbewegung gewidmet.

 

Veranstalter

Ein Club, der aktiv für die bürgerliche, kulturelle und soziale Entwicklung der Gesellschaft eintritt und dafür die Tatkraft und vorbildliche Haltung in allen beruflichen und persönlichen Bereichen fördern möchte. Dazu hat er sich das ‚Dienen‘ auf die Fahne geschrieben.

 

Anlass

Das Konzert junger Preisträger von „Jugend musiziert“ zwischen 10 und 17 Jahren.

 

Anwesende

Großzügige Förderer für talentierte,  begeisterte und engagierte junge Menschen, Familien und Musikliebhaber.

 

Ablauf

Ein wunderbares Konzert mit Werken aus vielen vergangenen Epochen bis zur Gegenwart.

 

Bemerkenswert

Ungewöhnliche junge Menschen, die sich mit großer Hingabe, Freude und Ausdauer der Kunst widmen und dabei an ihre Grenzen gehen. Berührende Momente von hoher Intensität.

 

Und dann?

Am Ende des Konzerts werden die jungen Künstler auf die Bühne gebeten. Drei Mädchen, sieben Jungs. Es gibt – „keine Gage“ – so der O-Ton des Moderators. Nein! Es gibt „für die jungen Damen etwas für die Schönheit.“ (Regenerationscreme!) und ein „Modellauto zum Spielen und Sammeln“ für die Jungs – „… ein anderes Modell als im letzten Jahr“, da ja viele Preisträger wiederkehren.

 

Reaktionen

Im Publikum wird wohlwollend gelacht, die Preisträger scheinen von belustigt bis leicht irritiert.

 

Und ich sitze fassungslos da.

Die jungen Künstler setzen sich mit großer Leidenschaft und viel Tiefgang mit ihrer Kunst auseinander. Ihnen an diesem Punkt und nach diesem Konzert mit solchen Geschlechterstereotypen zu begegnen und Rollerwartungen an künftige Frauen: Schönheit! und künftige Männer: Autos! zu zementieren, löst bei mir inneren Wiederstand aus. Der Würde, Eigenständigkeit und Gestaltungskraft, die diese jungen Menschen uns gerade jenseits von Geschlechterrollen gezeigt haben,  so zu begegnen, empfinde ich als beschämend. So erfreulich es ist, dass sich der Veranstalter und die Firmen der Förderung junger Musiker verschrieben haben, werben sie damit gleichzeitig für Ihr Unternehmen und umgeben dieses mit einem Hauch von sozialem und kulturellen Status. Den Protagonisten innerhalb dieses Engagements auf Augenhöhe zu begegnen, wäre wünschenswert.

Einerseits ist das eine Kleinigkeit – einmal durchwinken und ignorieren. Trotzdem erschrecke ich immer wieder, mit welchen Erwartungen wir Kindern und Jugendlichen begegnen und welche Botschaften wir damit an sie weitergeben.

Jeden Tag stoßen sie auf die Dualität der Geschlechterrollen und werden durch die Reaktionen in alte Klischees gepresst. Darüber hinaus wird deutlich, dass das Schubladendenken – in diesem Fall von solventen Förderern und internationalen Firmen – immer noch gnadenlos zuschlägt.

Schubladendenken

Niemand an entscheidender Stelle hat gewagt, die Geschenkauswahl in Frage zu stellen.

Zum Abschluss eine Lanze für die Kunst

Davon abgesehen werden die jungen Musiker mit dem bei solchen Konzerten üblichen „Beifall-nickendem-Genie-Mythos“ bewundert. Und ein paar Jahre später? Ein guter Teil derjenigen, die sich aufgrund ihrer Begabung, ihres Fleißes und ihrer Begeisterung wegen für ein Musikstudium entschieden haben, werden an Musikschulen unterrichten: als schlecht bezahlte Honorarkraft und sich mit Zweitjobs zur Existenzsicherung durch die unbezahlten Ferien hangeln müssen. Weil unsere Gesellschaft zwar Hochachtung vor allen Künstlern hat – aber leider meist nicht im Sinne eines angemessenen Gehalts und guter Arbeitsstrukturen.

„Willkommen im Club“

Carmen


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